Sportfotografie für Einsteiger und Fortgeschrittene

Traditionell fand am ersten Adventswochenende die “Dortmunder Langstrecke” statt. Ein Event, bei dem sich Athleten für die U-Kader der Rudernationalmannschaft empfehlen können. Einige unserer Mitglieder fingen die Veranstaltung mit der Kamera ein.

Ausgerichtet wurde die “Dortmunder Langstrecke” vom RC Hansa Dortmund und zusätzlich dem NWRV (Nordrheinwestfälischer Ruderverband) am Samstag sowie dem DRV (Deutscher Ruderverband) am Sonntag. Gefahren wurde auf Zeit, mit einer Minute Abstand zwischen den Startern. Während am Samstag zwischen 9:00 Uhr und 12:00 Uhr die besten 150 Rudernden aus Nordrhein-Westfalen zusammenkamen, traten am Sonntag zwischen 9:00 Uhr und 15:00 Uhr gar 250 Damen und Herren aus dem gesamten Bundesgebiet gegen die Stoppuhr an.

Dabei stiegen alle Athleten am Ruderleistungszentrum aufs Wasser. Anschließend ruderten sie zum Aufwärmen die 6.000 Meter bis zum Startpunkt. Zwischendurch wurden letzte Optimierungen vorgenommen, auch solche an der auf sich gerichteten Action-Kamera durften nicht fehlen. Für die gezeitete Strecke, in Gegenrichtung 6.000 Meter zurück zum Ruderleistungszentrum, benötigten die Athleten im “Renntempo” etwa 20 Minuten. Auf den letzten Metern war ihnen die Anstrengung deutlich anzusehen. Hochrote Köpfe und beschlagene Brillen sprachen eine klare Sprache.

Nachfolgend einige Eindrücke und Ergebnisse unserer drei Mitglieder, die sich vor Ort eingefunden hatten.

Vorab sei zur allgemeinen Einordnung noch erwähnt, Maik war mit der Kamera für den RC Hansa Dortmund während des gesamten Events an beiden Tagen vor Ort. Während Ute und Christian sich nur zeitweise am Dortmund-Ems-Kanal einfanden und beliebig lange Zeit für die Bearbeitung nehmen konnten, lieferte Maik jeweils taggleich seine JPG-Aufnahmen an den Club aus. Seine Aufgabe war es also, zusätzlich zu den anderen Herausforderungen, direkt in der Kamera vernünftig zu belichten. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, bei derart wechselhaften Lichtverhältnissen.

 

Maik Faehnrich

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    Maik Faehnrich

    Schwerpunkt(e):Astro, Events, Fotostudio, Industrie&Technik, Landschaft, Langzeitbelichtung, Lightpainting, Lost Places, Luftbilder, Menschen, Natur, Portrait, Produkt, Reisen, Street

    Wohnort:Dortmund

    Web:http://www.manual-focus.de

 

Schnellfragerunde

 

Hast du Erfahrungen mit Sportfotografie allgemein oder speziell dem Rudersport?

Abgesehen von der Langstrecke einmal im Jahr habe ich keine wirkliche Erfahrung im Bereich der Sportfotografie. Dadurch, dass ich aber selbst rudere, ist mir der Bewegungsablauf sehr gut bekannt, was natürlich beim Fotografieren hilft.

Da du Vorerfahrung hast: Was sind die Herausforderungen bei dem Event, bzw. beim Fotografieren des Rudersports allgemein?

Generell braucht es eine kurze Verschlusszeit, um die Bewegung gut einzufrieren und eine lange Brennweite, um nah an die Rudernden ranzukommen.

Besonders bei diesem Event ist die schnell wechselnde Lichtsituation, bedingt durch Wetter und Jahreszeit. Die Sonne steht den ganzen Tag lang tief, tritt zumeist als direktes Gegenlicht auf. Dadurch entstehen viele Reflexionen im Wasser und man kämpft häufig mit tendenziell unterbelichteten Sportler und beinahe weißem Wasser. Lösung: Mit dem Licht wandern – z.B. Seite des Kanals wechseln – und mit dem Nachteil der vielleicht etwas schlechteren Perspektive leben.

Welche Herangehensweise hast du dir für die Veranstaltung im Vorhinein überlegt?

Dadurch, dass ich die letzten Jahre die gleiche Veranstaltung ebenfalls fotografiert habe, war meine Vorbereitung nicht sonderlich umfangreich. Ich wusste, ich brauche eine lange Brennweite, kurze Belichtungszeit und schnelle Serienaufnahme. Daher waren für mich Kamera- (Canon 1D) und Objektivauswahl (150-600mm) klar. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einer Verweildauer im Freien von bis zu sechs Stunden war warme Kleidung zudem enorm wichtig.

Schaust du dir deine Ergebnisse an, womit bist du zufrieden und was würdest du beim nächsten Mal vielleicht anders machen?

Es sind viele gute Aufnahmen dabei. Natürlich sind durch die schwankende Lichtsituation auch einige Bilder deutlich über- oder unterbelichtet. Alles in allem bin ich mit den Bildern zufrieden und würde für das nächste Mal aktuell nichts ändern.

 

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Ute Schmücker

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    Ute Schmücker

    Schwerpunkt(e):Industrie&Technik, Landschaft, Langzeitbelichtung, Natur, Sport&Action, Tiere

    Wohnort:Essen

 

Schnellfragerunde

 

Hast du Erfahrungen mit Sportfotografie allgemein oder speziell dem Rudersport?

Seit einigen Jahren fasziniert mich das Festhalten von einzigartigen Momenten, insbesondere von Motiven in Bewegung. Dabei mag ich keine inszenierten Situationen, weshalb ich bei öffentlichen Sportveranstaltungen und ähnlichem gerne fotografiere. Alles was mit Wassersport zu tun hat, ist für mich besonders attraktiv, obwohl ich selbst gar keinen Bezug zu dieser sportlichen Betätigung habe.

Welche Herangehensweise hast du dir für die Veranstaltung im Vorhinein überlegt?

Bei Veranstaltungen sind die Begebenheiten immer anders und ich finde es klasse, spontan vor Ort zu entscheiden, was ich machen möchte. Daher schleppe ich als Resultat meistens alles an Fototechnik mit, was auf Dauer anstrengend zu tragen wird.

Bei diesem speziellen Event bin ich gelandet, weil ich ein besonderes Bild vor Augen habe, allerdings bräuchte ich dafür wohl eine Drohne. Ersatzweise versuchte ich Bilder zu kreieren, die vom normalen Serienbild-Dauerfeuer mit kurzer Belichtung abweichen. Serien mache ich auch, aber ich probiere vor Ort stets andere Dinge zusätzlich.

Manchmal ändere ich auch meinen Plan, wenn ich vor Ort bin. Hier hatte ich mich auf eine Brennweite von 70-200mm beschränkt, was sich als “zu kurz” erwies. Ursprünglich waren Mitzieher geplant, die übe ich seit längerer Zeit. Leider erwiesen sich diese beim Rudern als recht schwierig.

Schaust du dir deine Ergebnisse an, womit bist du zufrieden und was würdest du beim nächsten Mal vielleicht anders machen?

Die Bilder beurteile ich danach, wie nahe sie meiner ursprünglichen Vorstellung kommen. Manchmal bin ich überrascht und manchmal enttäuscht. Aber ich lerne aus den Fehlern oder ändere meine Herangehensweise beim nächsten Mal.

 

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Christian Schwekendiek

 

Schnellfragerunde

 

Hast du Erfahrungen mit Sportfotografie allgemein oder speziell dem Rudersport?

Es war nicht meine erste Veranstaltung, die ich fotografiert habe, allerdings mein erstes Ruder-Event. Ansonsten begegnet mir beim Erstellen von Foto-Reportagen gelegentlich die eine oder andere Situation, die ähnliche Fertigkeiten erfordert wie die, die ein klassischer Sportfotograf mitbringen muss. Dabei denke ich beispielsweise an ein Seifenkistenrennen, das ich alljährlich fotografisch begleite oder Elemente aus dem Reitsport. Insbesondere beim Reitsport ist das Antizipieren wichtig, um die “richtige” Haltung von Bein, Kopf und Ohr des Pferdes zu “erwischen”. Ich würde mich jedoch keineswegs als klassischen Sportfotografen bezeichnen.

Welche Herangehensweise hast du dir für die Veranstaltung im Vorhinein überlegt?

Mir war von vornherein klar, ich würde nicht auf Sportfotos im herkömmlichen Sinne abzielen. Vielmehr wollte ich den Reportage-Gedanken verfolgen und das Geschehen abseits des Wassers mit einbeziehen. Die pandemische Lage erschwerte dies: Zutritt im Clubhaus nur mit “2G+”, und selbst draußen lief die Mehrzahl der Leute mit Masken umher. Weil ich von dem “+” nichts wusste, blieb mir per se der Zugang zu einigen Bereichen verwehrt.

Da somit ein für mich elementarer Teil meiner Reportage wegfiel, legte ich es auch abseits dessen nicht mehr darauf an, mit der Kamera nah an die Leute zu kommen und dadurch Diskussionen oder gar mehr zu provozieren. Stattdessen konzentrierte ich mich ausnahmsweise auf Bildtypen, die sich aus der Distanz realisieren ließen.

Schaust du dir deine Ergebnisse an, womit bist du zufrieden und was würdest du beim nächsten Mal vielleicht anders machen?

Mir sind sicherlich ein paar brauchbare Fotos gelungen. Zugunsten des schönen Lichts am Ende der Veranstaltung sind einige Farbbilder in die Auswahl gerutscht. Wirklich konsistent wäre die Entscheidung für die eine oder andere Variante.

Insgesamt fehlt die Nähe, es fehlen Details und echte “Momente”, die aus (menschlicher) Interaktion heraus entstehen. Die Aufnahmen würde ich daher ingesamt eher als distanziert und steril bis kühl beschreiben. Das entspricht nicht im Entferntesten meinem Anspruch an eine gelungene Reportage. Dementsprechend würde ich beim nächsten Mal gern wieder bedenkenlos die Bildtypen fotografieren wollen und können, die mir wichtig sind.

Interessant war es für mich vor Ort dennoch, da ich sinnbildlich den Zeh in ein neues Gewässer halten durfte.

 

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Fazit

Maiks, Utes und Christians Fotos sind ein wunderbarer Beleg dafür, dass man drei Fotografen an denselben Ort schicken kann und alle mit völlig verschiedenen Ergebnissen heimkehren. Ihre Antworten in der Schnellfragerunde zeigen auf, wie sehr sich schon die geplante Herangehensweise unterscheidet; und auch, wie anpassungsfähig man als Fotograf sein muss, wenn eine ursprüngliche Idee sich vor Ort als nicht durchführbar erweist.

Auf die Frage, was ein gutes Bild ausmacht, lässt sich einmal mehr die Antwort geben: Es kommt darauf an. Ein Sportfotograf geht mit einer völlig anderen Zielvorgabe ins Rennen als ein Reportagefotograf. Die Resultate sind divers, und sicherlich zugeschnitten auf den jeweiligen Verwendungszweck und die Zielgruppe. Das macht jedoch keine Variante “wertvoller” als die andere, sie ergänzen und bereichern sich vielmehr gegenseitig.

Danke für die wunderbaren Einblicke!
 

Über das Projekt

Projekt: Exkursionen

Ausflüge sind fester Bestandteil unseres Vereinslebens. Sie stärken die Gemeinschaft und es macht Spaß, zusammen dem Hobby zu frönen. Manchmal fahren wir ohne Zielsetzung zu Orten, manchmal gilt es, eine oder mehrere Aufgaben zu bewältigen. Beispielsweise waren wir 2016 in der DASA. Dort gastierte zu dieser Zeit eine Roboterausstellung. Eine Herausforderung, die den Teilnehmern der […]

Titelfoto: Ute Schmücker